Suilenroc – Krieger des Lichts

Wenn dein Herz eine Hand wäre, ist sie dann geöffnet oder geschlossen?
Dieser Satz begleitet Suilenroc durch sein ganzes Leben.
In der Ablehnung seiner Eltern wuchs Suilenroc als Außenseiter in seinem Volk auf. Zwar war er der Sohn des Stammesoberhauptes, doch seine Mutter wünschte sich lieber eine Tochter und lies ihn das auch spüren.
Er war hin und her gerissen zwischen dem Wunsch nach der Anerkennung seiner Eltern und der Wut, die Liebe seiner Eltern nicht zu bekommen.
Und ausgerechnet an dem Tag, an dem er seinen Eltern und seinem Volk beweisen wollte, dass sie zurecht stolz auf ihn sein konnten, an dem Tag, als er zum Mann geweiht werden sollte, ändert sich alles. Er tötet bei der „großen Jagd“ vor den Augen aller, den gewaltigsten Barratak (Büffel) und musste dennoch sein Lager verlassen, um sich selbst und seine Liebe zu finden.
„Suilenroc – Krieger des Lichts“ ist eine Geschichte, die vor vielen tausenden von Jahren spielt, als die Völker noch keine Namen hatten und dennoch hat sie einen sehr großen Bezug zur heutigen Zeit.

Was ist wirklich wichtig?
Alles oder Nichts?
Oder vielleicht Alles und Nichts?

Mein Buch ist so viel mehr, als nur ein „Roman“. Es ist eine Geschichte die das Herz berührt, mit der Mensch sich sehr identifizieren kann. Erst nach dem Lesen dieses Buches, weiß man, in welche Kategorie es gehört. Oder vielleicht auch nicht. Denn auch das Leben selbst passt nicht immer in nur eine Schublade. Es ist ein ideales Geschenk, für sich oder auch für andere!
„Suilenroc – Krieger des Lichts“ handelt von einem Jungen, der zum Mann wird, der sich selber findet und in den Gegebenheiten des Lebens immer mehr die Geschenke entdeckt.
„Wenn dein Herz eine Hand wäre, ist sie dann geöffnet oder geschlossen?“ Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch die Reise von Suilenroc zu sich selbst.

Und da es mir eine Herzensangelegenheit ist, diese Geschichte mit vielen Menschen zu teilen, gibt es jetzt „Suilenroc – Krieger des Lichts“ zum Preis von 9,99 € als eBook und für 15,- € (zzgl. 1,80 € Versand) als Hardcover in der gedruckten Version (nur 23 Exemplare vorhanden)

Die Geschichte endet allerdings nicht mit diesem Roman.
In Vorbereitung ist „Suileyna – Rose des Lichts“.

Im Rahmen einer psychotherapeutischen Ausbildung im Jahr 2015 begegnete mir zum ersten Mal „Suilenroc“. Die Begegnung war so intensiv, dass ich anfing einige Seiten zu schreiben. Und davon ein Buch zu schreiben kam mir nicht in den Sinn. Doch „Suilenroc“ ließ mich nicht mehr los. Ich zeigte meiner Frau Daniela die ersten zehn Seiten. Sie war sofort begeistert. Also dachte ich mir, OK, ich schreibe mehr ...!
Nun ist es so, dass wir drei Kinder haben und mein Büro direkt neben der Küche liegt. Ich fand also keine Ruhe, die Geschichte fliessen zu lassen.
Also, entweder die Geschichte vergessen oder einen anderen Ort zum Schreiben suchen. Seit einigen Jahren bin ich immer mal wieder für zwei bis drei Wochen in Südafrika auf einer Farm im Hinterland von Knysna am Indischen Ozean. Dort genieße ich die Ruhe. Also machte ich mich auf den Weg dorthin.
Ich klappte dort mein Laptop auf und schrieb zwei Wochen lang, fast ohne Pause und es floss und floss nur so aus mir heraus. Am vorletzten Tag meines Aufenthalts war ich dann fertig. Fast 90.000 Worte! Für mich selber war es unglaublich, doch es war so, als ob etwas aus mir herauswollte.
„Suilenroc - Krieger der Lichts“ ist vielleicht sogar meine Geschichte, da hier viele biographische Aspekte meines eigenen Lebens auf eine besondere Art hineingeflossen sind.


Mit vielen lieben und sonnigen Herzensgrüßen euer
Georg Linde 

   
Hier noch ein paar Kritiken über mein Buch:
„Georg Linde erzählt auf berührende Weise die abenteuerliche Lebensgeschichte eines Mannes, der mutig seiner inneren Bestimmung folgt.
Der Roman spielt in einer anderen Zeit und in einer anderen Kultur, was dazu einlädt, sich genussvoll etwas vom Alltag hinwegzuträumen und sich auf eine Geschichte einzulassen, die atemberaubend spannend ist und auf liebevolle Weise das Herz berührt.“
„Hallo Georg, ich habe gerade dein Buch zu Ende gelesen... Wow... Der Hammer... Ich habe meine Umgebung nicht mehr wahr genommen und war vom Buch gefesselt... Freue mich schon auf das nächste Buch von dir!“
„Georg Linde erzählt auf berührende Weise die abenteuerliche Lebensgeschichte eines Mannes, der mutig seiner inneren Bestimmung folgt. Der Roman spielt in einer anderen Zeit und in einer anderen Kultur, was dazu einlädt, sich genussvoll etwas vom Alltag hinwegzuträumen und sich auf eine Geschichte einzulassen, die atemberaubend spannend ist und auf liebevolle Weise das Herz berührt.“
„Lieber Georg, ganz herzlichen Dank dafür, dass Du diese wunderbare Geschichte mit der Welt teilst. In den letzten Tagen, als die Sonne so schön schien, habe ich, immer wenn ich mal Zeit hatte, genussvoll Dein Buch gelesen. Es hat mich tief im Herzen berührt und sehr erfreut.
Jetzt empfehle ich Deinen Roman weiter und hoffe sehr, dass er ganz viele Menschen erreicht. Auf den Folgeroman freue ich mich schon jetzt.“
„Ich fing an zu lesen, schmunzelte ein paar Mal bei dem Gedanken „Georg, da hast du dein Leben aufgearbeitet und in eine wirklich spannende Geschichte verpackt.“
„Mit Spannung habe ich in den letzten Tagen dein Buch gelesen und konnte es kaum noch aus der Hand legen.“

Hier ist eine kleine Leseprobe:
Suilenroc
Das erste was ich sah, war der Mond... 
Ich hörte Stimmen, Männer und Frauen. Die Stimmen waren schrill und laut und ich blickte nur zu dieser runden hellen Scheibe, weit weit über mir. 
Es war Vollmond am Tag meiner Geburt.
Und ihm ging eine blutrote untergehende Sonne voraus. Kein gutes Zeichen für eine Geburt. 

Mein Volk feiert heute das Fest der Fruchtbarkeit. Ihm ging eine gute Jagd voraus. Jung und Alt tanzten und waren über die Zeichen des Lebens und der Natur dankbar und erfreut.
Doch die noch untergehende Sonne und der gleichzeitig sichtbare Mond trübten die Stimmung.
Meine Mutter war schwanger, ihr erstes Kind. Meine Mutter, Anhoja, war die Frau des Stammesoberhauptes, meines Vater Flodur. 
Es war zu früh. Eiramsor, unsere Älteste und Heilerin, kam herbei und sprach mit meinen Eltern. Die ganze Situation bot keine gute Voraussetzung für die Geburt. Doch die Wehen meiner Mutter nahmen zu. Immer und immer wieder schrie sie verzweifelt auf. Die panische Angst meines Vaters übertrug sich auf die Anderen und so wurde es im ganzen Lager still. Noch nicht einmal die Elekas, die wilden Hunde, waren mehr zu hören. Nur die Schreie meiner Mutter durchdrangen die Nacht. Die Schreie wurden immer lauter, und auch ich hörte sie immer lauter und immer verzweifelter ... Ich wollte helfen, wollte helfen ... doch, ich konnte nicht.
Meine Zwillingsschwester Aleyna, mit der ich so lange im Bauch meiner Mutter lag, hatte sich schon ein paar Tage vor der Geburt die Nabelschnur um ihren Hals gelegt ... Sie sagte nur: „Noch nicht, noch ist nicht die Zeit für uns gekommen!“ Ich verstand das zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich verstand zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts.
Meine Mutter schrie nochmals auf, so laut, dass sogar der Wind verstummte.
Eiramsor hielt das tote Mädchen in ihren Händen. Sie verharrte. Für einige Minuten bewegte sie sich nicht. Mein Vater kam in unser Zelt hinein und starrte abwechselnd auf meine Mutter und meine tote Schwester.
„Sie bewegt sich nicht“, schrie er immer wieder monoton. „Sie bewegt sich nicht.“ Meine Mutter schrie vor Verzweiflung, immer lauter. Sie wollte immer schon eine Tochter, eine, die ihre Gabe der Heilung von ihr lernen würde. Und nun hielt sie ihre tote Tochter in ihren Armen.
Das ganze Dorf stimmte in ihr Wehklagen ein.
Plötzlich fing eine dunkle Scheibe an, sich vor den Mond zu schieben. Eine noch nie da gewesene Unruhe entstand unter den Dorfbewohnern.
Meine Mutter schrie erneut auf und ließ meine tote Schwester fallen. Die alte Eiramsor hob sie liebevoll hoch, gab sie meinem Vater und schickte ihn aus dem Zelt.
Noch nie hatte eine Frau zwei Kinder auf einmal geboren. Niemand wusste, was das zu bedeuten hatte, doch alle wussten, etwas Neues passierte.
Alle Stammesbewohner scharrten sich um das Zelt meiner Eltern. Mein Vater wartete ungeduldig vor dem Eingang. 
Plötzlich hörte meine Mutter auf zu schreien. Eiramsor verstand nicht: Meine Mutter bekam noch ein Kind und Geburtsschmerzen waren immer sehr stark, viel stärker, als ein Mann sie hätte aushalten können.
Und so kam ich auf die Welt, ohne Schreien und Stöhnen meiner Mutter, ohne irgendein Geräusch. Die Welt war einfach still, als sich meine Lungen das erste Mal mit Luft füllten.
Ich öffnete die Augen und sah nur Angst, egal wen ich anschaute, ich sah nur Angst. Dann erblickte ich zum ersten Mal die Augen meiner Mutter, die Frau in der ich so lange heranwuchs. Ich freute mich schon lange auf sie, sie und endlich zu sehen zu können... Und was ich sah, löste bereits zum zweiten Mal in meinem Leben Angst aus. Sie wollte mich nicht, ich konnte es genau sehen und spüren, sie wollte nicht mich, sie wollte sie - meine tote Schwester.

Obwohl mein Volk eine sehr gute Jagd hatte - so gut, wie seit vielen Sommern schon nicht mehr - war die Stille im Dorf unerträglich. Niemand war zu sehen und wenn jemand etwas erledigen musste, verhielt er sich so, dass ihn niemand sah. 
In der dritten Nacht nach meiner Geburt wurde meine tote Schwester verbrannt. Alle versammelten sich um das Feuer, alle, nur ich war nicht mit dabei. Das Feuer wurde entzündet, weit weg vom Zelt meiner Eltern. Meine Mutter nahm mich nicht mit. Ich lag alleine im Zelt und schrie und schrie und schrie... Aber niemand konnte mich hören. Das Feuer prasselte zu laut und ich war zu weit weg, ich war ganz alleine...

Sieben Wochen lag meine Mutter in unserem Zelt, sieben Wochen sprach sie nicht. Ich lag auch nicht an ihrer Brust, sie weigerte sich schweigend und Eiramsor brachte mich zu einer anderen Frau, die noch genügend Milch in ihrer Brust hatte. Meine Mutter vermied sogar, mich zu berühren.
„So geht das nicht weiter“, sagte Flodur zu Eiramsor. „Sie kann doch nicht immer nur so daliegen, das Leben geht weiter. Das große Ganze wird sich schon irgendetwas dabei gedacht haben.“
Eiramsor stimmte ihm nickend zu. „Und es ist nicht gut, dass der Junge an der Brust einer anderen Mutter liegt. Anhoja, hörst du? Nimm deinen Sohn endlich an!“ Eiramsor schrie meine Mutter an. Aber in Mutters Augen regte sich nichts. Ihr Blick war leer.
Sieben Wochen nach meiner Geburt stand meine Mutter plötzlich auf, so als wäre nichts gewesen. Schwankend ging sie zum Fluss, zog ihr Kleid aus und badete. Die Augen der Dorfbewohner folgten ihr. Niemand sagte etwas.
Mein Vater ging ihr nach, hob ihr Kleid auf und reichte es ihr, als sie mit ihrem Bad fertig war. Er fasste sie mit beiden Händen an ihren Schultern und fragte: „Bist du wieder da?“ Sie nickte und zusammen gingen sie zum Platz in der Dorfmitte. Dort verkündete mein Vater, dass der Schatten von Anhoja gegangen sei und dass heute Abend der Vollmond gefeiert würde.
Ein Windzug fuhr durch das Dorf, so als wenn alle Dorfbewohner gleichzeitig ausatmeten. Die Freude darüber, dass nun endlich wieder das gewohnte Leben weiterging, ließ vereinzelte Freudenrufe erklingen. Schlagartig war auch wieder das Spielen der Kinder zu hören.
Mein Vater Flodur saß abends am Feuer und sagte wie so oft nicht viel. Er mochte nicht das viele Reden, er hörte auch nicht gerne zu. Er war jedoch auch nicht gerne alleine. Er saß einfach wie immer an seinem Platz und schaute ins Feuer.
Meine Mutter Anhoja saß bei den Frauen und redete mit ihnen, redete so, als wäre nie etwas passiert. Es wurde viel gesprochen über das Kochen und welche Kräuter am besten schmeckten, über die Männer und über den bevorstehenden Abend. Es wurde über alles geredet, nur nicht über meine Geburt. Niemand traute sich diese zu erwähnen, doch alle wussten, dass etwas Seltsames passiert war.
In unserem Volk war es Sitte, dass die Frauen sich die ersten sieben Jahre um die Kinder kümmerten - und bei mir war es auch so. Auch um mich kümmerten sich die Frauen, fast alle, bis auf meine eigene Mutter. Immer wenn sie mich sah, veränderte sich ihr Gesichtsausdruck. Und ich versuchte alles, nur um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Und so klein ich noch war, standen mir nur wenige Mittel zur Verfügung. Ich strampelte und schrie. Doch je stärker ich dies tat, desto weniger sah ich meine Mutter. Also machte ich es immer heftiger und immer lauter. Aber es half nichts. Nur wenn Eiramsor mich in den Arm nahm, fühlte ich mich wohl. Sie nahm mich so an, wie ich war. Sie sagte nicht viel, sie hielt mich und ich konnte mich entspannen. Immer wenn meine Mutter das sah, wurde sie wütend, wütend auf mich und auf Eiramsor. Doch ich verstand nicht, noch nicht.
Ich lernte schnell und viel, viel schneller und viel mehr, als alle anderen Kinder. Mein Vater beobachtete mich sehr häufig, doch je mehr er mich beobachtete, desto weniger sprach er mit mir. Meine Entwicklung bereitete ihm sehr viele Sorgen. Sehr oft, öfter als ihm lieb war, beriet er sich mit den Ältesten des Stammes über mich und mein Dasein.

Ich war anders, anders als alle anderen Kinder, die mein Volk je gesehen hatte. Ich lernte so schnell, dass ich schon mit drei Sommern den Frauen beim Zubereiten der Mahlzeiten helfen konnte. Ich war immer als erster da, immer in der Nähe meiner Mutter, damit sie sah, wie gut ich lernte. Doch je häufiger und besser ich etwas machte, desto mehr entfernte sich meine Mutter von mir. 
Nur Eiramsor war immer für mich da, tröstete mich, spielte mit mir, verband meine Verletzungen, die ich mir beim Spielen und Klettern zuzog, oder lächelte mich einfach nur an, wenn sie mich sah. Sie wurde immer mehr zu meiner Ersatz-Mutter.
Auch wenn ich viel mit den anderen Kindern im Dorf zusammen war, blieb ich trotzdem sehr einsam. Nur Flaro, ein Junge in meinem Alter, wurde mein bester Freund. Flaros Mutter war die jüngste Schwester von Eiramsor und so ergab es sich, dass ich viel Zeit im Zelt von Eiramsor verbrachte und immer weniger Nächte im Zelt meiner Eltern schlief.
Als ich sechs Sommer alt war, wurde meine Mutter wieder schwanger. Alle im Dorf waren besorgt und hatten große Angst vor der Geburt. Meine Mutter hatte nun noch weniger Zeit für mich. Meine Nähe ertrug sie nun gar nicht mehr und so zog ich ganz in Eiramsors Zelt.
„Wach auf, wach auf...!“, hörte ich aus der Ferne immer wieder rufen. Doch ich wollte nicht aufwachen, zu spannend und schön war der Traum... Ein weißer Tiger, ich war schon ein Mann, dort war eine wunderschöne Frau und ... Bäume, nicht einer nicht zwei ... ganz viele Bäume, so viele, wie ich sie noch nie auf einmal gesehen habe und immer wieder dieses wunderschöne Gesicht vor mir und der weiße Tiger...
„Nun wach schon endlich auf!“ Eiramsor goss mir Wasser ins Gesicht.
„Was ist los?“, fragte ich. 
„Du hast geschrien und vor Hitze geglüht“, antwortete Eiramsor nicht ohne Sorge.
„Mir geht es gut.“ Doch jetzt erst bemerkte ich, dass ich am ganzen Körper schweißgebadet und immer noch ganz heiß war. „Ich habe geträumt, von einer wunderschönen Frau und einem weißen Tiger und von ganz vielen großen Bäumen...!“
Ich erzählte ihr alles und sie hörte ganz genau zu. Sie unterbrach mich nicht, nickte nur immer wieder und es störte sie auch nicht, wenn ich mich wiederholte. Ich kühlte wieder ab und hörte auf zu schwitzen. Zärtlich wie eine Mutter hielt sie mich in ihren Armen.
„So, mein Kleiner, nun wird aber wieder geschlafen. Morgen bekommst du einen kleinen Bruder“, sagte sie ganz sanft und streichelte dabei mein Haar.
„Woher weißt du das?“, konnte ich noch vor mich hin murmeln und schlief in ihren Armen ein.

„Du musst dich mehr um deinen Sohn kümmern“, sagte Eiramsor noch kurz vor der Geburt zu meiner Mutter.
„Das werde ich“, antwortete sie stur, „das werde ich!“
Die Sonne stand schon tief, als Eiramsor in das Zelt meiner Eltern gerufen wurde. Ich durfte sie nicht begleiten und so wartete ich mit Flaro vor dem Zelt.
Mittlerweile hatte sich fast der ganze Stamm dort versammelt und obwohl so viele Menschen anwesend waren, hörte man kaum ein Geräusch. Zu groß war die Angst angesichts der Erinnerung an meine Geburt.
Es dauerte jedoch nicht lange und mein Vater kam aus dem Zelt. In seinen Händen hielt er meinen Bruder und streckte ihn stolz in die Höhe. „Mein Sohn, Suiram!“, rief er mit mächtiger Stimme in die Nacht. Tränen der Freude liefen ihm über die Wangen. Das Volk jubelte und es fand ein Freudenfest statt.
Von diesem Tag an änderte sich sehr viel. Meine Mutter strahlte vor Glück und mein Vater redete und redete, wie er noch nie in seinem Leben geredet hatte.
Ich dachte jetzt, da ich einen Bruder hatte und meine Eltern so glücklich waren, würden sie mich auch wieder in ihr Zelt holen. Denn schon zu lange hatte ich in Eiramsors Zelt geschlafen, zu oft lag ich in ihren Armen. Und doch sehnte ich mich so sehr nach der Liebe meiner Eltern.
„Du wolltest dich doch mehr um deinen Sohn kümmern“, sagte Eiramsor, nicht ohne einen Vorwurf in ihrer Stimme, zwei Monde nach der Geburt zu meiner Mutter.
„Und ich sagte, das werde ich“, antwortete diese, ohne ihren glücklich strahlenden Blick von meinem Bruder zu nehmen.
Die Zeit verging und ich verbrachte keine Zeit mehr mit meiner Familie. Flaro wurde zu meinem Bruder und Eiramsor zu meiner Mutter.
Einen Sommer später, es war mein siebter Sommer, kam ich zu den Männern, um einer von ihnen zu werden. Zu einem Jäger. 

„Bleib unten“, flüsterte ich zu Flaro. „Bleib bloß unten!“ Flaro zitterte vor Angst am ganzen Körper und er wäre am liebsten aufgestanden und weggelaufen.
„Nein, bleib liegen, sie ziehen an uns vorbei“, sagte ich beruhigend zu ihm, doch die Angst wich nicht aus seinem Gesicht. Ich schlich mich näher zu ihm und hielt seine Hand.
„Gut, dass uns niemand so sieht“, flüsterte ich ihm zu. Er schaute mich an und ich konnte ein dankbares Lächeln in seinem Gesicht sehen. Er blinzelte mir kurz zu und ich wusste, dass wir beide eins waren, Brüder und Freunde auf immer.
Wir waren nun 17 Sommer alt und nur noch diese eine Jagd vom Mann-Sein entfernt. 
Nach dieser Jagd würden wir unsere Messer bekommen, unseren Lendenschurz aus dem von uns getöteten Büffel und unseren eigenen Speer.
Nur noch diese Jagd.
Viele Sommer wartete ich ungeduldig auf diesen einen Tag. Ich war schon vor zwei Sommern soweit, aber ich durfte noch nicht. Ich war noch zu jung, obwohl ich damals schon der beste und schnellste Junge war. Mein Vater ließ es nicht zu.
„Warum darf ich noch kein Jäger werden?“, fragte ich ihn immer wieder flehend.
Und immer wieder bekam ich die gleiche nichtssagende Antwort: „Noch nicht.“
Also wartete ich. Ich wartete und wurde immer wütender. Ich brauchte meinen Vater nur zu sehen und ich wurde wütend.
„Warum macht er das?“, schrie ich Eiramsor an. „Warum? Warum hasst er mich so?“
„Er hasst dich nicht“, sagte Eiramsor beschwichtigend. “Er hat seine Gründe.“
„Das sagst du jedes Mal. Warum nimmst du ihn nur in Schutz? Warum lebe ich nicht in seinem Zelt? Warum redet er nicht mit mir? Warum bildet er mich nicht als Jäger aus? Warum ist er nicht für mich da? Warum?“, fragte ich sie wütend.
Sie kannte diese Fragen von mir, so oft hatte ich sie schon gestellt und nie konnte sie sie mir beantworten. Und so wurde die Wut zu einem ständigen Begleiter in meinem Leben.

Flaro mochte die Jagd nicht, aber seine Mutter bestimmte, dass er Jäger wird. 
„Dein Vater war auch ein Jäger“, sagte sie zu ihm. „Und du wirst auch einer!“
Flaro war schon immer ein kleiner schmächtiger Junge. Doch er hatte geschickte Hände, wie kein anderer in unserem Stamm. Er liebte es Körbe zu flechten, aus Holz Figuren zu schnitzen und, was seine Mutter besonders ärgerte, auf frisch aufgehängte Büffelfelle Bilder mit Kohle zu malen.
Die kleinen Kinder liebten ihn dafür. Und immer wieder erzählte er ihnen abends am Lagerfeuer die spannendsten und schönsten Geschichten.
„Woher kennst du diese ganzen Geschichten?“, fragte ich ihn einmal.
„Ich habe den Geschichten der alten Frauen zugehört“, sagte er bescheiden. Ich konnte mich allerdings an solche Geschichten nicht erinnern.
Er hatte eine wundervolle Stimme und je älter er wurde, desto melodischer wurde diese und bald schon saßen auch die Mütter der Kinder und sogar die Alten am Lagerfeuer, um seinen Geschichten zu lauschen.
Die anderen Jungen in unserem Alter saßen an ihrem eigenen Lagerfeuer. Sie mochten seine fantastischen Geschichten nicht. Sie hatten ihre eigenen, von der Jagd, vom Fischfang, von Messern und Speeren. 
Ich liebte Flaro wie meinen eigenen Bruder. Ich war sehr gerne mit ihm zusammen. Obwohl wir so verschieden waren, waren wir zusammen doch eins. Und in einem unterschieden wir uns nicht, denn wir waren beide Außenseiter in unserem Stamm.

Heute, heute würde sich zeigen, ob wir zu Jägern, ob wir in den Kreis der Männer aufgenommen würden. Heute würde sich zeigen, was wir wert sind.
Flaro und ich hatten fast die ganze Nacht nicht geschlafen. Er vor Angst und ich vor erwartungsvoller Freude.
Schon vor ein paar Nächten hatten die Späher berichtet, dass eine gewaltige Herde Büffel auf dem Weg zu unserem Berg sei. 
Und nun lagen wir hier in dem hohen Gras. Mein Vater wusste, dass ich gerne alleine jagte und trotzdem wollte er, dass Flaro mit mir geht. Und natürlich machte mich dies wieder wütend.
„Leise“, flüsterte ich ihm zu und ließ seine Hand los.
Der Wind stand günstig für uns, die Tiere konnten uns nicht riechen, was wahrscheinlich ohnehin nicht möglich gewesen wäre, da wir von oben bis unten mit Büffelfett eingerieben waren. Wir Jüngeren sollten einen Teil der Herde zu den Jägern treiben und danach durften wir dann selbst einzelne Tiere jagen, wobei wir darauf achten mussten, keine trächtigen Tiere oder Mütter mit ihren Kälbern zu jagen.
Über 30 Jungen lagen zu zweit, dritt oder viert verteilt im hohen Gras.
Ich hob die Hand. Ich durfte das Startzeichen für die Jagd geben, wenigstens diese Aufgabe hatte mir mein Vater übertragen. Und damit hatte ich auch die Führung für die werdenden Männer übernommen. In weiter Entfernung sah ich meinen Vater auf einem Felsen stehen. Heute konnte ich ihm zeigen, wer ich bin. Er hob seinen Speer und ich wusste, das war wiederum mein Zeichen.
Ich senkte die Hand und gleichzeitig sprangen mit mir über 30 werdende Männer schreiend auf und rannten, so schnell sie konnten, auf die Herde zu.
Die Tiere erschraken, doch es dauert ein wenig, bis sich diese massigen Tiere in Bewegung setzten. Zu nah durften wir der Herde nicht kommen, da sonst die Bullen die Weibchen und Kälber beschützen würden. Es war meine Aufgabe darauf zu achten, dass die Anderen nicht zu nah an die Herde kamen. Immer wieder schrie ich Befehle nach rechts und links und sie befolgten sie. 
So gelang es uns, eine Gruppe von ca. 100 Tieren von der Herde abzutrennen und in Richtung Jäger zu treiben. Ich war ganz in meinem Element, ich genoss die Jagd. Nicht mehr lange und dann durfte ich mein erstes eigenes Tier erlegen.
Die Tiere rannten genau auf die großen Felsen am Berghang zu, hinter denen die Jäger warteten. Der Schrei des Habichts erklang – das vereinbarte Signal - und die erste Gruppe Jäger sprang auf und warf den Büffeln ihre Speere entgegen. Jeder Jäger hatte mindestens fünf Speere. Meist reichte ein Speer nicht aus, um einen Büffel zu töten. Auch wenn wir von der Büffeljagd lebten, so verehrten wir sie und sie sollten kein langes Leid erfahren und mussten schnell getötet werden. 
Schon mit dem ersten Speerhagel wurden 20 Tiere getötet oder verletzt. Die Herde brach nach links aus, in Richtung der zweiten Gruppe Jäger. Während diese ihre Speere warfen, machten sich die ersten Jäger daran, die verwundeten Tiere zu töten.
Mit dem zweiten Speerhagel wurden noch mehr Büffel getroffen. Panisch liefen die verbliebenen Tiere kreuz und quer durch das Tal.
Meine Zeit war nun gekommen, jetzt durften wir Jungen selbst ein Tier erlegen. Ich rannte los und suchte mir den größten noch verbliebenen Bullen aus. Ich wollte beweisen, dass ich, Suilenroc, der größte und beste Jungjäger war.
Der Bulle, größer als ich selbst, brach nach rechts aus. Schneller als ich es für so ein massiges Tier für möglich gehalten hätte. Verwundert änderte auch ich meine Richtung und plötzlich erkannte ich den Grund für den Richtungswechsel. Er rannte auf Flaro zu, der zitternd mit seinem Speer in der Hand auf den riesigen Bullen starrte. 
Ich schrie aus Leibeskräften: „Wirf den Speer!“ Doch er hörte mich nicht. Mein Schrei ging im allgemeinen Jubel der Jäger und der nun näher kommenden Frauen unter.
„Wirf!“, schrie ich erneut und unsere Blicke trafen sich noch ein letztes Mal, bevor der Bulle ihn an der linken Schulter erwischte und er durch die Luft gewirbelt wurde. Der Bulle rannte noch ein Stück weiter, blieb dann stehen und drehte sich langsam zu mir um. Wir bewegten uns beide nicht. Mein Blick wanderte hinüber zu Flaros leblosem Körper. Wut und Trauer vermischten sich in meinem Inneren. Flaro! Meine Wut wurde stärker und gewann die Oberhand. Ich spürte eine nahezu unendliche Kraft in mir. Es fühlte sich an, als ob mein ganzer Körper bebte, jedoch stand ich völlig bewegungslos da. So wie der Bulle.
„Alle Augen sind auf uns gerichtet, nur du und ich“, hörte ich plötzlich eine Stimme in meinem Kopf. Ich erschrak und drehte meinen Kopf. Es war niemand zu sehen, der das hätte sagen können. Die anderen Jäger und Frauen waren zu weit weg. Ihre Blicke waren jedoch auf den Bullen und mich gerichtet. Der Freudenjubel brach abrupt ab.
„Nur du und ich“, hörte ich wieder diese Stimme.
Einige Jäger rannten auf uns zu.
„Wenn sie näherkommen, werde ich ihn töten.“ Der Bulle bewegte nur kurz seinen Kopf Richtung Flaro. „Sag ihnen, sie sollen stehen bleiben.“ Der Bulle bewegte ein Bein Richtung Flaro.
„Du?“, fragte ich ungläubig. „Du kannst sprechen?“
„Sag ihnen, sie sollen stehen bleiben“, kam wieder als Antwort.
„Halt!“, schrie ich ohne zu überlegen aus Leibeskräften. Ohne den Blick von dem Bullen abzuwenden, spürte ich, dass nicht alle stehen blieben.
Abermals schrie ich „Halt“, mit noch lauterer Befehlsstimme. Die Männer blieben stehen.
„Wieso kannst du sprechen?“, fragte ich erstaunt den Bullen.
„Wieso kannst du sprechen?“, erwiderte der Bulle spöttisch.
„Mein Volk hat es mir beigebracht“, antwortete ich stur.
„Und mein Volk hat es mir beigebracht.“
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
„Warum tötet ihr uns?“, wollte der Bulle wissen 
„Wir brauchen euch, um zu leben“, erwiderte ich nach kurzem Zögern.
„Wir brauchen euch nicht, um zu leben!“
„Was willst du?“, fragte ich nun.
„Verstehen und meine Familie retten“, antwortete er.
„Deine Familie retten?“
„Ja, solange wir hier stehen und uns die anderen beobachten, können sie sich in Sicherheit bringen“, antwortete er. „Ich weiß, dass ich dann sterben werde - du wirst mich töten -, aber ich werde nicht mit dir kämpfen“, erklärte er weiter.
„Nein“, sagte ich stolz, „ich will einen fairen Kampf!“
„Einen fairen Kampf?“ Der Bulle lachte, warf seinen Kopf nach hinten und gab einen markerschütternden Schrei von sich. Die anderen Jäger wichen beängstigt einen Schritt zurück.
„War das vorhin ein fairer Kampf? Uns aus dem Hinterhalt überfallen?“ Der Bulle schnaubte.
„Komm her und töte mich!“, brüllte er mich an. „Komm her und stoß deinen Speer in mein Herz.“
„Nein!“, schrie ich entsetzt zurück, denn ich wollte einen richtigen Kampf.
„Tu es oder ich töte den da. Noch lebt er und wird überleben, aber nur, wenn du mich tötest! Los! Mach schon!“ Der Bulle schnaubte ungeduldig.
„Eines Tages wirst du verstehen, doch noch bist du zu jung, um dich zu erinnern.“
„Ich begreife das nicht“, entgegnete ich ihm nun etwas verwirrt.
„Sag ich doch. Nun lass es uns zu Ende bringen. Meine Zeit ist gekommen. Ich habe meine letzte Aufgabe gleich erfüllt.“
Und fast schon liebevoll fügte er noch hinzu: “Bitte, tue mir diesen einen Gefallen. Ich möchte dir nicht mit dem Tod deines Freundes drohen. Viele Dinge stehen dir noch bevor, aber sei gewiss, Suilenroc, du wirst einmal genauso sterben wie ich.“
Ganz langsam kam der Bulle auf mich zu. Ich stand immer noch wie versteinert. Flaros Stöhnen erlöste mich aus meiner Starre.
„Woher kennst du meinen Namen?“, fragte ich verunsichert. „Und hast du auch einen Namen?“ Er antwortete nicht.
Der Bulle stand nun eine Armeslänge von mir entfernt. Wir standen Auge in Auge. Ich spürte seinen heißen Atem und wusste plötzlich, dass ich es tun würde. Schweiß rann mir über den ganzen Körper.
„Ja“, sagte ich zu ihm, „ich werde es tun und doch du wirst der letzte Büffel sein, den ich töte.“
„Büffel? So nennt ihr uns?“ Es sah aus, als wenn er lächelte.
Er drehte sich zur Seite und präsentierte mir einen großen zuckenden Muskel. Ich wusste sofort, dass dahinter sein Herz schlug. „Hier“, forderte er mich auf. „Ja, ich weiß“, antwortete ich traurig.
„Suilenroc, wenn dein Herz eine Hand wäre, ist sie geschlossen oder geöffnet?“ fragte er noch.

Ich hob meinen Speer, schloss die Augen, sah mein Herz als kräftige Faust und stieß mit voller Wucht in das Herz des Bullen.
Er schrie fürchterlich und bäumte sich ein letztes Mal auf. Der Boden bebte, als sein Körper hart auf dem Boden aufschlug. Eine Wolke aus Staub und Sand wirbelt auf, hüllte mich ein und ich vernahm noch ein leises „Danke“ in meinem Kopf. Dann starb er leise. 
Hinter mir hörte ich mein Volk erleichtert und begeistert aufschreien. Bevor ich mich jedoch umdrehen konnte, verlor ich das Bewusstsein und fiel neben dem Bullen in den Staub.
Als ich die Augen öffnete, war alles schwarz, nichts war zu sehen.
Ich hörte wieder nur eine Stimme. Es war nicht die Stimme des Bullen. Es war eine Frauenstimme. Sie sang, aber ich konnte keine Worte erkennen. Nur diesen Klang. Eine Stimme, wie ich sie noch nie zuvor hörte. So voller... ja voller was? Mir fehlten die Worte. Nur Bilder kamen mir in den Sinn. Blumen, Sonne, Vögel, Wasser, Gras, Wolken und und und... Ich merkte, wie ich schwebte in dieser Dunkelheit. Ich breitete die Arme aus, lag auf dem Rücken und schwebte. Ich sah die Sterne und den Mond. Ich vertraute mich ganz dieser Dunkelheit an und fühlte mich einfach nur frei. Und diese Stimme begleitete mich. Plötzlich erkannte ich Worte in diesen Klängen: „Du musst gehen, du darfst nun deinem Herzen folgen, du bist der Krieger des Lichts, folge deinem Herzen, geh fort um wiederzukommen, lass alles hinter dir, um zurückzukehren, alles ist in dir, alles ist ... alles ...“ Und wieder waren nur doch diese wunderbaren unbeschreiblich schönen Klänge zu hören.
„Ach, wenn nur Flaro hier wäre“, dachte ich und lächelte in mich hinein.
„Wach auf, wach auf...“, hörte ich es dumpf aus der Ferne rufen.
„Das kenne ich doch“, dachte ich noch kurz, bevor ich schon wieder Wasser in meinem Gesicht spürte und zu mir kam.
Breit grinsend und zufrieden schaute mich Eiramsor an.
„Ich habe es euch doch gesagt, der erste Büffel haut selbst den stärksten Krieger um“, sagte sie erleichtert zu den um uns herumstehenden Jägern und Frauen. „Und jetzt gafft nicht so blöd, es gibt genug zu tun. Über 50 Büffel müssen noch zerlegt werden.“
Die meisten Jäger und Frauen drehten sich um und gingen vergnügt redend und lachend zu den erlegten Büffeln. Ich sah noch kurz das ebenfalls erleichterte Gesicht meines Vaters, bevor auch er eilig ging.
„Ich habe mit ihm geredet“, stieß ich aufgeregt hervor. „Eiramsor, er hat gesprochen.“
„Wer?“, fragte sie gelassen.
„Na der Bulle, ich habe mit ihm gesprochen. Wirklich, er wollte ...“, überschlug sich meine Stimme fast schon. Zu ungläubig und beeindruckt war ich wegen dem, was ich erlebte. Was passierte hier? Ich konnte es nicht verstehen. Und Eiramsor verhielt sich sehr merkwürdig, so, als ob sie wusste, was ich ihr berichten wollte. Alles in mir bebte.
„Nicht jetzt“, sagte sie beschwichtigend, „nicht jetzt, es hören noch zu viele zu - und nicht alle können und wollen verstehen... Außerdem habe ich da noch einen Verletzten.“
Und plötzlich fiel es mir wieder ein: „Wie geht es Flaro? Wird er überleben?“
„Aber natürlich“, sagte sie wissend. „Flaro ist zwar klein und schmächtig, aber gerade das hat ihm wohl das Leben gerettet. Er hat sich die Schulter ausgekugelt und zwei oder drei Rippen gebrochen. Er hat schon nach dir gefragt. Und den Kindern erzählt er auch schon wieder wilde Geschichten. Also, los! Ich lass dich jetzt zu unserem Zelt bringen. Erst heute Abend wirst du zum Jäger und Mann geweiht und hast Anspruch auf ein eigenes Zelt, aber bis dahin wirst du noch ein paar leckere Kräutertees trinken müssen.“
„Ich kann selbst laufen“, sagte ich empört, stand auf und brach direkt wieder zusammen.
„So, so“, grinste sie und winkte den zwei Männern mit einer Trage, die bereits auf ihr Signal warteten. Sie legten mich darauf und trugen mich zurück ins Lager. Ich warf noch einen letzten Blick auf den Bullen. Gerne hätte ich noch seinen Namen erfahren... Meine Gedanken verloren sich in der Jagd.
Als ich im Zelt ankam, lag Flaro schon dort. Er konnte schon wieder lachen.
„Na, da bist du ja endlich. Hat mich ganz schön erwischt der Bulle. Kann froh sein, dass ich noch lebe“, witzelte er.
„Er wollte dich nicht töten, er wollte zu mir“, antwortete ich müde.
„Was?“, fragte er verwirrt. 
„Ich habe mit ihm gesprochen.“ Und dann erzählte ich ihm die ganze Geschichte. Ich erwähnte jedoch nicht, dass er mich Krieger des Lichts genannt hatte. Ich konnte es ja selbst nicht verstehen.
Flaro starre mich die ganze Zeit ungläubig mit offenem Mund an.
„Und dann sagen die, dass ich tolle Geschichten erzähle“, feixte er ungläubig, als ich fertig war. „Du bist wahrlich der bessere Geschichtenerzähler. Also, wann gehst du?“
„Was?“, fragte ich meinerseits nun verwirrt.
„Na, wann du gehst? Du gehst doch, oder? Die Stimme hat doch gesagt, dass du gehen sollst“, erklärte er.
Ich hatte mir darüber wirklich noch keine Gedanken gemacht. Zu verwirrend war das alles für mich. Der Bulle, der mit mir sprach, die Stimme, ....
„Weiß ich nicht“, entgegnete ich ihm genervt, „heute Nacht ist erstmal unsere Weihe, falls es Eiramsor schafft, mich mit ihren Kräutern wieder auf die Beine zu bringen...“
„Und ob sie das schafft“, sagte Eiramsor amüsiert, als sie in diesem Moment das Zelt betrat. „Aber bis dahin ist noch ein wenig Zeit. Auf Flaro wirst du heute Abend verzichten müssen. Der darf noch nicht aufstehen.“
Flaro wollte widersprechen, doch den Blick, den Eiramsor ihm zuwarf, kannte er nur zu gut und er schloss direkt wieder seinen Mund und grinste. 
„Hier, Suilenroc, Jäger und Mann, trink das hier.“ Sie gab mir einen kleinen Becher mit einer braunen Flüssigkeit. Da ich wusste, wie ihre Medizin für gewöhnlich schmeckt, trank ich sie zügig. Überrascht musste ich feststellen, dass dieses Getränk wunderbar schmeckte und noch bevor ich den Becher absetzen konnte, schlief ich ein.

Es war schon tiefe Nacht, als mich Eiramsor weckte.
„Ohne Wasser?“, fragte ich verwundert.
„Natürlich, Suilenroc, Jäger und Mann. Du bist doch jetzt kein Junge mehr. Komm, es ist soweit, die Weihe beginnt gleich“, sagte sie. So vertraut war mir ihr Anblick, doch heute konnte ich ihren Blick nicht deuten. Die Lachfalten um ihre Augen waren bei diesem Licht kaum zu sehen. Sie schaute ernst und doch freundlich, streng und doch weich. „Nun geh, mein Sohn, und zeige dich, du bist heute wahrlich zum Mann geworden.“
Ich trat aus dem Zelt und schaute zum Himmel. Dort sah ich wieder die große silberne Scheibe. Genau wie bei meiner Geburt stand der Mond auch heute, während meiner Weihe zum Jäger und Mann, am Himmelszelt. Noch heute Morgen hatte ich mir nichts sehnlicher gewünscht als diesen Schritt zu gehen, doch jetzt ... Mir kam alles so unwirklich vor, so weit weg... 
Ich ging zum großen Platz in unserem Lager. Hier traf sich unser Volk zu allen wichtigen Anlässen. Er war rund und groß genug für alle. Auf der rechten Seite die Männer, auf der linken die Frauen. In der Mitte ein großes Feuer. Alle waren schon dort versammelt und unterhielten sich in gedämpfter Lautstärke. Mein Vater war im Halbkreis umringt von den Ältesten und um sie herum saßen wiederum im Halbkreis die anderen Jäger. Jeder hatte seinen angemessenen Platz, je nach Alter, Tapferkeit, Abstammung und Taten, die er vollbracht hatte. Dahinter befanden sich die Männer, die keine Jäger waren. Auch sie waren für unser Stammesleben unabkömmlich, doch sie nahmen nicht den angesehenen Stand eines Jägers ein.
Auf der gegenüberliegenden Seite dieser Versammlung bildeten die Frauen ihrerseits einen Halbkreis, der den der Männer ergänzte. Dort saß meine Mutter, im Halbkreis umringt von den Ältesten. Direkt neben ihr war Eiramsor und auf ihrem Schoß schlief mein Bruder Suiram, das einzige Kind, das auf dem Platz zu sehen war. Bei diesem Anblick durchzuckte mich ein stechender Schmerz. Mein Bruder Suiram, ich liebte ihn, obwohl ich ihn wenig kannte, war nun zehn Sommer alt. Er hatte das, was ich nie hatte...
Meine Mutter konnte ihn kaum von sich lassen. Sie hielt sich immer in seiner Nähe auf und passte auf, dass ihm nichts geschah. Sie war immer in Sorge um ihn. Immer wenn ich mit ihm spielen oder ihn zum Fischen mitnehmen wollte, war meine Mutter zur Stelle und fand eine Ausrede, damit ich keine Zeit mit ihm verbringen durfte. So wuchs mein Bruder ohne seinen großen Bruder auf.
Hinter den ältesten Frauen saßen die Mütter der Jungen, die heute Nacht zu Männern geweiht wurden, dahinter standen die übrigen Frauen. Auch hier hatte jede Frau ihren für sie vorgesehenen Platz. Ohne Worte und Streitereien kannte jede ihren Platz ganz genau. Die Kämpfe um diese Plätze fanden woanders statt. Im Alltagsleben, beim Kochen, beim Flechten oder anderen Tätigkeiten. Als ich klein war erlebte ich diese Streitigkeiten und Rivalitäten unter den Frauen sehr oft. 
Zwischen den Männern und Frauen gab es noch eine weitere Gruppe. Dort befanden sich die Frauen, die noch keinen Mann hatten. Denn jeder, der zum Mann geweiht wurde, durfte sich eine Frau erwählen und mit ihr ein eigenes Zelt beziehen.
Und nun stand ich hier auf dem großen Platz unseres Lagers. Zwischen den Frauen und Männern brannte ein großes Feuer, um das sich die Jungen, die heute zu Männern geweiht werden sollten, versammelt hatten. Nur ich fehlte noch. Selbst Flaro stand dort, gestützt auf zwei Ästen, und grinste mich breit und erleichtert an. Seine Abwesenheit hatte ich nicht bemerkt, als ich nach meinem tiefen Schlaf das Zelt verließ.
„Wir warten nur noch auf dich, Suilenroc, Jäger und Mann!“ Er konnte sein Lachen kaum zurückhalten.
Mein Vater hob die Hand und augenblicklich verstummten alle. Nur noch das Prasseln des flackernden Feuers war zu hören.
„Heute ist ein großer Tag, wir hatten eine so erfolgreiche Jagd, wie sie selbst die Ältesten der Ältesten noch nicht erlebten.“ Viele der Alten nickten zustimmend. Mein Vater fuhr fort. „Über 50 Büffel konnten wir erlegen und es gab keine Verletzten...“ Flaros Mutter wollte sich gerade erheben und protestierend das Wort ergreifen, als mein Vater den Satz beendete: „Alle Jungen, die an der Jagd beteiligt waren, stehen jetzt hier.“ Flaros Mutter beruhigte sich daraufhin.
„Alle stehen hier und erheben ihren Anspruch darauf, zum Jäger und Mann geweiht zu werden. Als Mann habt ihr einen Anspruch auf eine Frau und euer eigenes Zelt. Doch lasst euch gesagt sein, die Frau, die ihr euch erwählt, muss auch euch erwählen und auch die Mutter dieser Frau muss euch als ihren neuen Sohn annehmen.“
Eine plötzliche Unruhe entstand unter den meisten Frauen, die noch keinen Mann hatten. Nur die älteren unter ihnen blieben ruhig. Sie wussten, dass sie auch heute Nacht, wie auch in den Sommern zuvor, leer ausgehen würden. Es kam zwar immer mal wieder vor, dass sich Jung-Männer ältere Frauen nahmen, allerdings war dies nur sehr selten der Fall.
Ich schluckte, jetzt erst wurde mir wieder bewusst, dass ich zum Mann würde und nun auch eine Frau erwählen durfte. Auch die anderen Jungen wurden unruhig und Vorfreude breitete sich aus. Heute Nacht würde noch viel passieren.
„Doch bevor es soweit ist, werden wir mit dem Ritual fortfahren“, rief mein Vater lautstark.
Einige Männer mit Schüsseln kamen über den Platz auf uns zu. Begleitet wurden sie von einigen Frauen, die Becher in den Händen hielten. Plötzlich fiel mir wieder ein, was als nächstes passieren würde. Blut, dachte ich, wir würden das Blut der Büffel trinken. Ekel schnürte mir den Hals zu. Nein, das konnte ich nicht tun, nicht nach dem, was heute bei der Jagd passierte. Ich wollte wegrennen, aber meine Füße bewegten sich kein Stück. Flaro bemerkte meine Anspannung, nahm meine Hand und drückte sie, nur kurz, damit niemand es sah, aber es reichte, um mich ein wenig zu beruhigen.
Die Frauen verteilten die Becher und Trommeln setzten ein.
Ariana, ein Mädchen, das mir seit frühester Kindheit als Gefährtin vertraut war, gab mir einen Becher, berührte sanft meine Hand und strahlte mich an. Ach Ariana, ich wusste gerade nichts mehr. Meine leeren Augen trafen die ihren und ihr Lächeln verschwand augenblicklich.
Die Männer gossen das Büffelblut in die Becher. Als der letzte Becher gefüllt war, verstummten die Trommeln und Alirana, die Sängerin unseres Stammes, sang mit ihrer wunderschönen Stimme das Dankeslied an die Büffel. Während des Gesangs schaute uns das ganze Volk erwartungsvoll und neugierig an. Das Ritual wollte es so, dass die Jung-Männer während des Liedes den Becher Blut leerten. Einige tranken ihren Becher in einem Zug aus, anderen bereitete dies mehr Schwierigkeiten. Sie würgten die unangenehm riechende Flüssigkeit herunter und schüttelten sich. Sie wussten, dass jeder, der das Blut ausspucken würde,  niemals zum Jäger ernannt geweiht werden würde. Sie alle tranken ihren Becher leer. Selbst Flaro, der sich vorbereitet und heimlich geübt hatte, stand mit seinem leeren Becher stolz dort. Nur ich hielt meinen vollen Becher noch immer in der Hand. Ich brachte es einfach nicht über mich. Ich versuchte mehrmals anzusetzen, doch jedes Mal, wenn ich den Becher hob, würgte ich und meine Kehle schnürte sich zu. Wie gelähmt stand ich dort.
Sollte ich nun doch versagen, jetzt da Vater und Mutter auf mich schauten? Endlich konnte ich ihnen beweisen, was für ein Jäger ich bin und nun versagte ich vor allen.
Das Lied neigte sich dem Ende. Schweiß bildete sich auf meiner Stirn. Was nun?
Flaro flüsterte schon: „Nun mach schon, du kannst es, ich weiß das, du schaffst alles!“
Ja, das dachte ich auch immer und ein Becher voll Blut bewies mir nun das Gegenteil.
„So, Suilenroc, so ist doch dein Name, nun trinke mein Blut“, hörte ich plötzlich die Stimme des Bullen, den ich heute getötet hatte. Der Schweiß lief mir ins Gesicht. Ich schloss die Augen.
„Du bist doch tot“, erwiderte ich verdutzt in meinen Gedanken. Ich traute mich nicht, diese Worte laut auszusprechen, da ich spürte, dass alle ihre Augen mittlerweile auf mich richteten.
„Ach Suilenroc, du darfst noch viel lernen. Nicht alles ist so, wie es scheint, und der Tod ist nicht das Ende. Der Tod ist der Anfang von etwas Neuem. Ich bin dir sehr dankbar dafür, dass du mir einen neuen Anfang ermöglicht hast. Und nun trink bitte mein Blut und lass es so zu deinem werden und dein Blut zu meinem. Beeile dich, das Lied ist gleich vorbei.“
Erschrocken wurde mir bewusst, dass Alirana zum letzten Ton angesetzt hatte, der noch über dem Lager nachklang. Also nahm ich den Becher und trank und trank und konnte es nicht fassen, was da meine Zunge berührte. Kein Geschmack von Blut. Es schmeckte süß, fast wie Honig, und blumig und nach Gras und ... nach Leben. Schon das zweite Getränk heute, das unerwartet wunderbar schmeckt.
Ich sog den Geschmack auf und wollte nicht mehr aufhören ihn zu kosten. Der Becher war leer und ich forderte nur: „Mehr, gebt mir mehr!“ Die Männer mit den Krügen schauten verwirrt zu meinem Vater, der ungewöhnlich wohlwollend nickte. Und so schenkten mir die Männer nach. Der zweite Becher schmeckte sogar noch besser. Sie gossen wieder nach. Ganze sieben Becher leerte ich nacheinander. Mit jedem Becher wurde das Jubeln und Klatschen meines Volkes lauter. Während ich den siebten Becher leerte, fiel mein Blick auf meine Mutter. Sie starrte mich wütend an. Suiram war inzwischen durch den zunehmenden Lärm erwacht und beobachtete mich ängstlich. Mutter streichelte sanft über sein Haar.
„Das hast du bei mir noch nie gemacht“, dachte ich verärgert und traurig zugleich und trank den Becher leer, ohne den Blick von meiner Mutter zu nehmen. Danach warf ich gedankenverloren den Becher ins Feuer und augenblicklich verstummte die Geräuschkulisse um mich herum.
„Nachdem ihr alle den Saft des Lebens getrunken habt, esst nun vom Herzen des Lebens“, durchbrach mein Vater resolut die Stille.
Unter Trommelwirbel eilten Männer mit großen Tellern herbei, auf denen jeweils ein Büffelherz lag. Ein kurzer Moment andächtiger Stille trat in, als die Männer sich postierten, bis die Trommeln erneut einsetzten. Die Frauen, die zuvor die Becher verteilten, standen mit Holzschalen hinter diesen Männern, um sie an uns Jung-Männer zu verteilen. 
Als die Männer ihre Messer ansetzten, um die Herzen in Scheiben zu schneiden, rief ich: „Halt!“ Doch niemand kümmerte es. Ich rief also nochmal etwas lauter und ging einen Schritt auf meinen Vater zu. Der hob gebieterisch die Hand und alle hielten inne. Stille breitete sich wieder aus.
Er ist das Oberhaupt, dachte ich, und er genießt den Respekt aller Stammesmitglieder. Irgendwann werde ich... „Was gibt es, Sohn?“, fragte er. Überrascht über das Wort Sohn, vergaß ich für einen Augenblick meinen Gedanken.
„Was?“, fragte ich verwirrt.
„Du hast ‚Halt‘ gesagt. Was ist dein Anliegen? Warum unterbrichst du das heilige Ritual? Was hat das zu bedeuten?“, fragte er interessiert angesichts meines ungewöhnlichen Verhaltens.
Ich kam wieder zu mir.
„Wo ist sein Herz?“, fragte ich zurück.
„Wessen Herz?“ Mein Vater verstand nicht.
„Das Herz des Bullen, den ich getötet habe“, antwortete ich.
„Ich weiß es nicht“, erwiderte er überrascht.
„Aber ich!“, warf Ariana aufgeregt ein und deutete auf einen Teller mit einem Büffelherz. „Dieses hier. Ich selbst habe es für dich herausgeschnitten.“
„Es ist mein Herz“, sagte ich bestimmt, ohne ihre Worte weiter zu beachten, „ich werde es alleine essen!“
Empört schaute meine Mutter meinen Vater an, doch der nickte wieder nur und so brachte mir Ariana den Teller mit dem Herzen.
Augenblicklich setzten die Trommeln wieder ein.
Die Männer schnitten die übrigen Herzen in Scheiben und die Frauen verteilten sie an die Jung-Männer. Die Trommeln verstummten, sobald alle eine Holzschüssel hatten und Alirana stimmte ein neues Lied an.
Die Jung-Männer bissen in das rohe Fleisch, was nun allen sichtlich Schwierigkeiten bereitete. Ich sah ihre von Widerwillen verzogenen Gesichter und betrachtete das riesige Bullenherz vor mir. Warum wollte ich das ganze Herz? Ich konnte es nicht sagen.
„Nicht alles ist, wie es scheint!“, klang es noch in meinem Kopf nach. Ich nahm allen Mut zusammen, nahm das Herz in beide Hände und biss ebenfalls hinein.
Wieder war ich überrascht. Das Herz schmeckte herrlich. Nie zuvor aß ich solch weiches und zartes Fleisch. Ich biss wieder hinein und schluckte es beinahe ohne zu kauen runter. Doch das gierige Schlingen rächte sich. Der Geschmack veränderte sich von einem Augenblick auf den nächsten. Verwundert runzelte ich die Stirn und mich überbekam ein Ekelgefühl. Ich fing an zu würgen und kaute nun langsamer. Erneut veränderte sich der Geschmack. Ich stellte fest, je genussvoller ich aß, desto besser schmeckte das Herz. Also nahm ich mir ausgiebig Zeit und genoss das Herz des Bullen, Bissen für Bissen. Mit dem letzten Bissen verstummte Aliranas Lied.
„Corrlad!“, erklang die Stimme in meinem Kopf.
Ich runzelte die Stirn.
„Du wolltest doch meinen Namen wissen“, sagte er, „Corrlad, so war mein Name. Oder so ist mein Name.“
Wieder war ich verwirrt und die Fragen brodelten nur so in mir.
„Nein, frag nicht, nicht jetzt, irgendwann kommt der Zeitpunkt für Fragen und jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt. Wir sind jetzt eins, du und ich. Du hast von meinem Blut getrunken und du hast mein Herz gegessen, mein ganzes Herz. Ich danke dir dafür, für alles. Nun bist du wahrlich ein Jäger und ein Mann und...“ Er schwieg für einen Augenblick feierlich: „Und du bist jetzt ein Krieger des Lichts!“
Krieger des Lichts! Zum zweiten Mal hörte ich diese Worte.
Was bedeutet Krieger? Was bedeutet Krieger des Lichts?
Ich wusste es nicht und Corrlad antwortete mir nicht mehr.